
Mein Weg zu Lebensklang
Musik begleitet mich mein Leben lang. Klassischer Klavierunterricht seit der Kindheit, Chor-, Theater und Musikprojekte waren schon früh prägend für mich. Dabei hat sich ebenso früh gezeigt, dass Musik für mich vor allem Heilraum ist. Ich hatte wenig Interesse an Vorspielen oder Konzerten, stattdessen gab mir die Musik den Raum, innere Themen zu bewegen und in einen inneren Dialog zu bringen, der nicht vom Kopf gesteuert war.
Improvisation war dabei von Beginn an wesentlich. In der Improvisation war es mir möglich, die Dinge auszudrücken und zu verwandeln, für die ich in der Sprache keinen Ausdruck finden konnte. Und so habe ich früh begonnen, das weite Land der Improvisation zu erkunden. Dabei waren mir Jazz und Blues ebenso wichtige Inspirationsquellen wie Klassik und vor allem das freie Spiel, sowohl im tonalen wie auch im freitonalen Raum.
Musikalische Begegnungen
Durch das Musizieren mit anderen kam früh eine Qualität in meine Leben, die für mich immer wesentlicher werden sollte: die musikalische Begegnung. Im Musikmachen mit anderen Menschen erlebte ich die nährende und heilsame Verbundenheit, die durch das Lauschen aufeinander und das Eintauchen in den gemeinsamen Resonanzraum entstehen kann, und die ich im Alltagsleben in dieser Qualität selten erlebte. Es ist wie das Entdecken einer uralten Sprache, die keine Worte braucht, die tief in uns allen angelegt ist und die mit unserem natürlichen Rhythmus-Empfinden und unserer Resonanzfähigkeit zu tun hat.


Neue Wege
Bewusst entschied ich vorerst, Musik nicht zu meinem Beruf zu machen – ich wollte diesen kostbaren Raum nicht den Anforderungen des Berufslebens opfern. Stattdessen begann ich, in der internationalen Film- und Fernsehproduktion zu arbeiten, eine Tätigkeit, die mir erlaubte, auf unzähligen Reisen meinen Horizont zu erweitern. Parallel bildete ich mich autodidaktisch weiter: Hörspielproduktion, Percussion, digitale Musikproduktion, Komposition.
Dann kam ein Wendepunkt in meinem Leben: nach einer tiefen Krise wuchs in mir der Wunsch nach einem sinnhaften Wirken, das anderen Menschen auf ihrem Weg hilfreich sein kann. In der Ausbildung zum Waldorf-Klassenlehrer und Musikpädagogen fand ich die Basis für mein zukunftiges Wirken. Tiefe Auseinandersetzung mit Fragen nach gesunder menschlicher Entwicklung und den vielfältigen Möglichkeiten, diese Entwicklung durch die Heilkraft der Musik zu unterstützen, führte mich auf die Spur meines zukunftigen Wirkens. In meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen darf ich diese Fragen täglich vertiefen und darin Lernender sein.
Lebensklang entsteht
In meiner Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erlebte ich, das für die meisten Menschen die Musik nicht das natürliche Feld der Heilung und Lebendigkeit ist, das es für mich werden durfte. So oft ist durch Bewertungen oder unbedachte Bemerkungen von Lehrern oder nahen Bindungspersonen das zerbrechliche Feld des eigenen Ausdrucks beschädigt oder verletzt worden. Gleichzeitig durfte ich erleben, dass in einem geschützen, traumainformierten und wertungsfreien Rahmen wahre Wunder geschehen können, wenn sich Menschen wieder auf den Weg machen, ihren authentischen Ausdruck zu erkunden. Immer wieder erlebe ich kostbare Momente von Heilung, Integration und einem Aufblühen von Verbundenheit und Lebensfreude, die mich bestärken, diesen Weg zu vertiefen.
Und es ist ein Weg, der von der Kokreation lebt, von der Begegnung, von der Resonanz. Die Räume, die ich öffne, mögen sein wie ein Gefäß, was aber darinnen entsteht, entsteht immer aus der Begegnung, aus dem, was jede und jeder einzelne hineingibt. Für die Offenheit und Verletzlichkeit, die Lebendigkeit und Ehrlichkeit, die ich in diesen Räumen immer wieder erleben darf, bedanke ich mich bei allen, die durch ihr Da-Sein diese Räume füllen und beleben.
Mögen noch viele heilsame Momente der Verbundenheit entstehen!
Herzlich – Nikolai
